Luther und Lenin

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500 Jahre Reformation, 100 Jahre Oktoberrevolution — zwei Jubiläen, die gegensätzlicher nicht sein könnten! Doch vielleicht gibt es Parallelen oder gar Übereinstimmungen zwischen beiden Ereignissen? Unbestritten dürfte sein, dass sowohl Luther als auch Lenin große Volksführer waren, die das Gesicht ihrer Epoche — und darüber hinaus — gravierend verändert haben. Ebenso unbezweifelbar sind im Gefolge der durch sie ausgelösten Erschütterungen Millionen von Menschen ums Leben gekommen.

Wir stellen uns mit diesem Konzert die Frage, ob und wenn ja welche Impulse von diesen Ereignissen auf die Musik ausgegangen sind. Der von uns gespannte Bogen reicht vom „Urkantor“ der evangelischen Kirche, Johann Walter, dessen Vokalsätze und Lieder unmittelbar die Stimme des subjektiven reformatorischen Ichs zum Ausdruck bringen, bis hin zu Luigi Nonos „La fabrica illuminata“, in dem dieses Ich in ohnmächtiger und isolierter Einsamkeit gegen die Brutalität der umweltzerstörenden kapitalistischen Profitgier aufbegehrt. Während sich der einzelne Mensch bei Walter in der Gemeinde der Gläubigen geborgen weiß, sucht er bei Nono Zuflucht und Schutz im Kollektiv der Arbeiter — um gegen Ende jedoch in seiner nackten und einsamen Existenz dazustehen.