Psalmenkonzert zum Reformationsjubiläum

Veröffentlicht am Veröffentlicht in coming

Nikolaikirche Leipzig

04.07.2017

Tag für Tag werden wir mit verstörenden Nachrichten aus aller Welt konfrontiert. Krieg und Gewalt bestimmen das globale Geschehen in einem Ausmaß, das uns die Worte nimmt. Wir sind ohnmächtig angesichts des grenzenlosen Leides um uns herum und haben keine Antworten. Wird diese Entwicklung jemals ein Ende haben? Oder bewegen wir uns in einem nicht enden wollendem Kreislauf der Gewalt? Kann diese Welt irgendwann ein Ort des Friedens sein?

Wenig tröstlich ist es, dass zu allen Zeiten Krieg und Gewalt herrschten. Doch es gab immer auch Menschen, die trotz des grenzenlosen Leides an eine friedvollere Welt glaubten. Sie können uns Kraft geben und unsere Wegweiser sein. Einer von ihnen war König David. Sein Leben war geprägt von Gewalt und harten Schicksalsschlägen. In seinen schwersten Stunden fand er durch den Psalmengesang seinen Weg zu Gott. In der Verbindung von poetischer Sprache und klangvollem Harfespiel konnte er sein Leid ausdrücken. Diese künstlerische Ausdrucksmöglichkeit war es, aus der heraus er neue Zuversicht und Kraft schöpfte. Seine Psalmen veranschaulichen den faszinierenden, sich plötzlich und unvermittelt ereignenden Übergang von der Klage in die Hoffnung.

Diesem häufig antiphonen Aufbau der biblischen Psalmen folgt auch unser Konzert: Abschnitte der Klage und Bitte wechseln mit Passagen des Dankes. Eigens für dieses Konzert wurden Klage- und Bitttexte verschiedener Jahrhunderte und Erdteile neu vertont (Komposition: Geonyong Lee und Cord Meijering). Diese intimen kammermusikalischen Abschnitte stehen im Wechsel mit großformatigen Psalmenwerken für Chor und Orchester, die Hoffnung und Zuversicht ausdrücken. Dieser Wechsel vollzieht sich chronologisch über vier Jahrhunderte und mündet in der Gegenwart. Während die kleinformatigen Teile die Stimme des einsamen Ichs repräsentieren, symbolisiert das Chor- und Orchestertutti ein kollektives Wir, das sich in der göttlichen Gnade geborgen weiß. Schließlich finden beide Perspektiven zu einem gemeinsamen Klang der Hoffnung.

Das Konzept dieses Konzertes hat unser musikalisches Profil als Ensemble entscheidend geprägt. Besonders wichtig war es uns, dass das Psalmenkonzert in lebendiger Kommunikation mit dem jeweiligen Aufführungsort steht: Das Mosaikprinzip erlaubt es, die Tuttiabschnitte durch jeweils andere Psalmenwerke zu ersetzen. Somit wird jede Wiederaufführung zu einem singulären Ereignis, das auf den kulturellen Kontext einer jeden Region reagieren kann. Weitere Konzerte in Deutschland, Südafrika, USA und Korea sind in Planung.